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KinderEmotionsregulation4 Min. Lesezeit

Lunas Alarm: was Ihr Kind gerade gesehen hat, und wie es weitergeht

Die Erklärung dauert zwei Minuten. Wirksam wird sie erst durch das, was Sie danach sagen.

Kelly Tzanou

Was Ihr Kind gerade gelernt hat

In der Geschichte erklärt Luna, dass ganz tief in ihrem Kopf ein Wächter sitzt, der auf einen Alarmknopf drückt, wenn etwas Ungerechtes passiert. Das Herz rast, die Hände werden zu Fäusten, das Gesicht wird heiß, und der Teil vorne im Kopf, mit dem man nachdenkt, wird leise.

Das ist kein Trostmärchen. Es ist eine kindgerechte Beschreibung dessen, was tatsächlich passiert: Ein schnelles Alarmsystem reagiert, bevor der langsamere, überlegende Teil des Gehirns antworten kann. Genau deshalb sind Sätze wie „Denk doch mal nach" im Moment der Wut wirkungslos. Der Teil, der nachdenken soll, ist gerade nicht erreichbar.

Warum die Bilderklärung überhaupt etwas bringt

Aus einer Eigenschaft wird ein Ereignis. Eigenschaften bleiben, Ereignisse gehen vorbei.

Der eigentliche Gewinn ist nicht Wissen, sondern Abstand. Ein Kind, das „ich bin schlimm" denkt, hat ein Problem mit sich selbst. Ein Kind, das „mein Alarm ist angegangen" denkt, hat ein Problem mit einem Vorgang, und Vorgänge kann man beobachten, benennen und beeinflussen.

Was Sie danach tun können

  1. Den Wächter zu eurem Wort machen

    Wenn das Bild in Ihrer Familie einen Namen bekommt, ist es im nächsten Streit sofort verfügbar. „War das dein Wächter?" ist eine Frage, die ein Kind beantworten kann, „Warum hast du geschrien?" ist eine, die es nicht kann.

  2. Danach fragen, nicht mittendrin

    Solange der Alarm läuft, ist Reden Reizüberflutung. Die Frage kommt später, wenn es ruhig ist, beim Anziehen, im Auto, beim Zähneputzen.

  3. Das lange Ausatmen üben, wenn nichts los ist

    Lunas Trick, langsamer ausatmen als einatmen, funktioniert nur, wenn er schon vertraut ist. Mitten in der Wut lernt niemand etwas Neues. Zweimal in der Woche eine Minute reicht.

  4. Den eigenen Alarm zugeben

    „Bei mir ist eben auch der Alarm angegangen." Ein Kind, das sieht, dass Erwachsene dasselbe System haben, schämt sich weniger für sein eigenes.

Was Sie nicht tun sollten

Das Bild nicht als Regel benutzen. „Du hast doch gelernt, wie man sich beruhigt" macht aus einer Erklärung einen Vorwurf, und aus Lunas Wächter etwas, das man falsch macht.

Und keine Sofortwirkung erwarten. Ein Kind versteht die Geschichte lange bevor es sie anwenden kann. Zwischen Verstehen und Können liegen Monate, nicht Tage.

Wann mehr dahintersteckt

Wenn die Ausbrüche fast täglich kommen, lange dauern, in Verletzung von Menschen oder Dingen enden oder Ihr Kind danach kaum ansprechbar ist, geht es nicht mehr um ein Werkzeug für zu Hause. Dann lohnt ein Gespräch mit der Kinderärztin oder einer Beratungsstelle.

WISSENSCHAFTLICHE GRUNDLAGE

Bedrohungsverarbeitung und Amygdala-Reaktion · Reifung des präfrontalen Cortex · Affektbenennung (affect labeling) · Externalisierung in der Arbeit mit Kindern · Parasympathische Aktivierung durch verlängerte Ausatmung

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